Die Aussichten auf eine gute Fischerei waren durch die starken Unwetter der zuvor gegangenen Tage nicht rosig.
Mein Fischer-Kamerad und sehr guter Freund fuhr schon am Vortag in die Nähe um bei Bekannten zu nächtigen und am Abend noch etwas zu unternehmen.
Er nutzte die Gelegenheit um einen Blick zum Wildbach zu werfen.
Was er dort sah, war nicht das was wir uns für die Fischerei wünschten, angetrübtes Wasser und erhöhter Pegel. Die Spuren der Unwetter konnte man anhand des Treibgutes gute erraten.
In den vergangen Stunden musste das Wasser um über einen halben Meter höher gestanden sein. Doch war auch etwas Gutes daraus zu sehen, dieser Wildbach kann sich in wenigen Stunden wieder auf normales Niveau senken und sichtig werden.
Am Sonntag weckten mich der Wecker und die ersten Sonnenstrahlen die durch die Vorhänge blinzelten. Petrus hatte Mitleid und schickte über die Nacht keinen weiteren Regen. Mit einer guten Stunde Autofahrt war der Tag auch schon begonnen. Die Gedanken kreisten um den Wildbach, „ist er klar“, „…hat sich der Pegel wieder normalisiert?“, die Karte war schon vorausgestellt wodurch sich eine Rückgabe sicher schwierig gestaltet hätte.
Zu Beginn des Angelabenteuers stand die obere, flachere und ruhiger Gewässerhälfte.
Gleich am Einstieg waren schöne Rieselstrecken mit vereinzelten Zügen und Gumpen.

Die Wahl des Musters viel auf kleine Braune Steinklammerer-Nympfen da unsere beschuppten Freunde noch keine Ambitionen zum Steigen zeigten.
Schon bald durften wir unseren ersten Fisch des Tages im Kescher finden.

Ich musste mich ein bisschen mehr bemühen um die sture Bafo endlich zu erwischen.
Erst mit einer kleinen CDC-Parachute, mit der ich den Fisch gleich einmal gebrannt hatte, dann weiter mit einer schwarzen Para um dann endlich nach einem weiteren verhauten Biss am Ziel zu sein.

Wie es aussah durften wir den Tag zu den Fangtagen zählen. Nach ein paar Versuchen stellten wir auf Trockenfliegen um da sich so manche Bachforelle von unseren Rehhaar-Sedge´s vom Boden lösen lies.
Mit den Stimulatormustern hatten wir auch viel Erfolg. Weitere Bringer des Tages sollten dann noch große Maifliegen, Cahill´s in Light-, brown- und schwarz- Färbung.

Gemütlich ging es Talaufwärts bis zum Revierende, einer großen Wehranlage die sich erfahrungsgemäß sicher für gute Fänge eigenen würde.
Wir verbrachten etwa 2 Stunden an dieser berauschenden Stelle. Das Herabstürzende Wasser war so laut, dass wir keinerlei Gespräche miteinander führen konnten. Umso mehr konnten wir in uns kehren, uns unseren Gedanken und der Fischerei widmen.

Es ging Schlag auf Schlag, benahe jeder 2. Wurf wurde mit einem Fisch belohnt. Egal ob Nymphe, Streamer oder Trockenfliege. Es fand eine wahre Fressorgie statt, trotz der Mittagszeit ging es rund um uns.
Unsere Vermutungen um die Hintergründe war der noch immer etwas erhöhte Wasserstand in diesem Abschnitt.
Immer wieder konnten wir einen lokal begrenzten Schlupf beobachten.
Von den Yellow Sally´s , kleinen Eintagsfliegen, Köcherfliegen aber auch Exemplare der großen Steinfliege mit 100mm Spannweite waren immer wieder zu sehen.

Die für mich schönsten Fänge des Tages, machte ich an dieser Stelle
Eine Bachforelle mit 50+ und eine Äsche die sich wohl von der Mündung aus bis hier oben durchgekämpft hatte.

Der Tag zeigte sich von seiner besten Seite, mit etwas über 20°C Lufttemperatur, strahlender Sonne und einem leichten Lüftchen um die Nase lies es sich wunderbar aushalten.
Nach einer ausgiebigen Rast in einem örtlichen Gasthaus wagten wir den Einstieg in den 2. Teil des Wildbaches. Über einen kleinen gewundenen, zum Glück befestigten Weg ging es 30 hm in die Schlucht hinunter.
Hier war die Mündung unseres Juwels, die ersten Blicke machten schon Lust auf mehr bevor wir eigentlich angefangen hatten.


Zug um Zug, Fels für Fels kämpften wir uns Flussaufwärts in die Schlucht.

Es war ein beschwerlicher Weg, tiefe Züge, unterspülte Felsen, umgestürzte Bäume stellten sich in den Weg und machten es notwendig so manche Kletterei in Angriff zu nehmen, da ein Vorbeikommen anders nicht möglich gewesen wäre.


Mit Teamwork zum Ziel war wieder einmal das Motto.
Einige der Stellen erforderten einen beherzten Sprung von einem Felsen ins doch sehr kalte Wasser. Einer von uns beiden hat die Fliegenruten verwahrt, der andere wagte den Sprung um anschließend das Material entgegen zu nehmen.

Wer hier nicht gut zu Fuß ist und manches Wagnis eingeht wird die Schönheit eines solchen kristallklaren Juwels in mitten Österreichs nicht zu Augen bekommen. Wer jung ist und noch den Drang zum Außergewöhnlichen hat wird mich hier verstehen können. Es liegt wohl im Geist der Jugend ein bisschen Risiko auf sich zu nehmen. Wenn man mich fragt ob es dafür steht, ich müsste mit einem klaren „Ja“ antworten. Wer es sich zutraut und körperlich fit ist sollte es im Rahmen seiner Möglichkeiten machen. Umkehren kann man immer noch.
Anderen Falls hätten wir kein Vorankommen mehr gehabt. Umso tiefer wir in die Schlucht vor gestoßen sind umso beeindruckender war die Natur um uns herum.
Selbst ein Gänsesägerpaar hatte diese Schlucht für sich entdeckt, um für den Nachwuchs ein gutes Versteck zu haben.

Der Tag ging Fischreich und mit vielen Bildern in unseren Köpfen dem Ende entgegen




Zu guter letzt fing sich ein jeder von uns noch eine Forelle für die Pfanne um dann mit ein klein bisschen Wehmut den Weg nach hause anzutreten.
Nehmt es mir bitte nicht übel, aber ich habe versprochen den Gewässernamen für mich zu behalten.
Tight Lines






