Hier ein Bericht über eine Session, die trotz großem Aufwand nicht gerade optimal verlaufen ist:
Das war vielleicht ein Freitag. Die Arbeit schien kein Ende zu nehmen, und es dämmerte bereits, als ich dem Büro schließlich doch noch entkam. Als ob das nocht nicht genug gewesen wäre, erhielt ich von einem Informanten auch noch die frohe Botschaft, dass sich an meinem Zielgewässer bereits die Angler stapeln würden Sch***! Was also tun? Es war dunkel, also kam eine ausgiebige Platzsuche ohnehin nicht mehr in Frage. Mein Kurzsessiongewässer bot sich an, doch Freitag abend würde auch das mit Anglern überfüll sein. Ein kurzer Anruf bei Stefan bestätigte meine Befürchtungen. Schon neun Autos am Parkplatz! Ja, (erfolgreiches) Angeln in Kärnten bedeutet schon längst nicht mehr nur das Austricksen von Fischen, sondern vor allem das Ausweichen vor anderen Anglern. Manchmal bin ich mir gar nicht sicher, was von beiden schwieriger ist.

Es war stockdunkel, als ich am Gewässer ankam. Ich hatte vor, doch mein Kurzsessiongewässer zu befischen, allerdings einen nicht gerade populären Teil davon. Der ansonsten etwa 100 Meter breit Teich verengte sich hier zu einer Art Altarm oder Kanal und war kaum noch 30 Meter breit. So zieht sich dieser "Schlurf" etwa 200 Meter dahin. Im Vergleich zum überfüllten Hauptbecken war das Wasser hier eher tief und der Grund hart, also alles andere als ein idealer Frühjahrsspot. Dennoch ist dieser Bereich bekannt für regelmäßige Fänge, wenn ich mir auch sicher war, dass sich die meisten Kapitalen im Hauptbecken aufhalten würden. Ich hatte Glück und fand das Areal völlig menschenleer vor. Schnell montierte ich die Ruten und warf die Rigs mit PVA-Sticks in die Finsternis. Als gefühlsmäßig alles passte, gönnte ich mir eine Leberknödelsuppe und legte mich hin. Ein Zelt baute ich gar nicht erst auf. Mittlerweile war es 23 Uhr.

Die Nacht verlief auffällig ruhig. Eigentlich hatte ich mit einem Biss gerechnet, doch nur einmal ließ mich der Bissanzeiger hochfahren. Der Fisch war jedoch nicht gehakt. Auch an der Oberfläche gab es keine Bewegung zu verzeichnen. Erst spät in der Nacht hörte ich einige Karpfen schlagen, doch viel weiter unterhalb meines Platzes.
Der Morgen begrüßte mich mit Sonenschein, doch mein Kescher war noch immer trocken. Ich genoss einen Kaffee und belud meinen Trolly - ein Platzwechsel stand an. Wer fangen will, muss mobil sein. Minimaltackle macht's möglich!

Ich entschied mich für einen Swim in dem Bereich, in dem ich nachts die Karpfen springen hörte. Hier befand ich mich einerseits an einem sehr idyllischen Uferstreifen, andererseits fischte ich direkt gegenüber von drei Wohnhäusern. Komisches Gefühl, die Familien quasi beim Frühstück und bei der Gartenpflege beobachten zu können. Naja, ganz so arg war es dann doch nicht.

Ich befischte mit beiden Ruten die gegenüberliegende Uferpartie. Die überhängenden Bäume und Sträucher waren einfach zu fischverdächtig, um sie nicht anzuwerfen.

Der Tag verging ereignislos, doch gegen Abend hatte ich Fischkontakt. Zwei kleine Schuppis konnten meinem Schneemann nicht widerstehen. Na, wenigstens Fische. Man darf nicht undankbar sein.


Ich war todmüde und legte mich früh hin, doch Kollege Bruno ließ mich wieder aufschrecken. Er brachte mir einen leckeren Apfelstrudel vorbei. Erst um ein Uhr nachts meldete sich mein Bissanzeiger wieder. Ich war sofort bei der Rute, doch der Karpfen war schon in ein Hindernis geschwommen. Dann ging erst einmal gar nichts mehr. Ich spürte nur noch konstanten Widerstand und war mir sicher, dass der Fisch längst weg war. Wahrscheinlich steckte der Haken in einem Ast oder so. Auf keinen Fall wollte ich abreißen, da ich sonst erstens Schlagschnur und Montage im Wasser hätte lassen müssen und andererseits nie mehr die richtige Distanz zum Weiterangeln gefunden hätte. Kurzentschlossen machte ich mich auf den Weg zum Auto, um mein Schlauchboot zu holen. 30 Minuten später hatte ich mein Rig gelöst und konnte weiterfischen. Ich war fix und fertig, schließlich war es schon fast 3 Uhr.
Es graute schon der Morgen, als ich überraschenderweise noch einen Biss erhielt. Ich hatte den Fisch schnell unter Kontrolle und vermutete einen Satzkarpfen, darum staunte ich nicht schlecht, als ich dieses 80 cm lange Kätzchen mit Identitätskrise über den Kescher führen konnte. Der Haken saß fest im Maulwinkel. Welch willkommene Abwechslung, schließlich war das erste mien zweiter Wels überhaupt!

Der Morgen war wunderschön und sonnig. Ich brannte darauf, einen kurzen Spaziergang zum Hauptbecken zu unternehmen, um die Lage auszukundschaften. Wie erwartet herrschte reger Betrieb und fast jeder Platz war besetzt, doch die Erfolge waren eher bescheiden.

Die Angler an meinem Lieblingsplatz waren gerade beim Zusammenpacken. Ich überlegte nicht lange, belud meinen Trolly und siedelte abermals um, denn die Chancen auf einen Kapitalen oder sogar auf einen meiner Zielfische war in diesem Bereich um ein Vielfaches höher.

Von Bekannten erfuhr ich, dass der schwerste Karpfen des Gewässers, ein Schuppi mit 18 Kilo erst vorige Woche gefangen wurde, was zwar bedeutete, dass meine Aussichten, gerade ihn zu fangen, nicht gerade rosig waren, aber es gibt hier ja noch andere Perlen zu entdecken. Und etwas Positives hatte die Sache: Ich konnte sicher sein, dass der Fisch noch am Leben war, was gerade hier keine Selbstverständlichkeit ist.
In Ufernähe fütterte ich Dumbells und zerschnittene 25er Boilies und fischte einem Snowman mit PVA-Stick darüber. Die zweite Rute beförderte ich mit einem einzelnen 25er Boilie ins Freiwasser. Eine lose Boiliefütterung sollte hier hungrige Karpfen auf das Futterangebot aufmerksam machen.

Wenige Stellen weiter fischten einige Kollegen von mir und wir unterhielten uns prächtig. Gegen Abend kam wieder Burno vorbei, diesmal mit einem frischen Baguette.

Es kam wie es kommen musste: Die ganze Nacht tat sich bis auf zwei Brachsen im Klodeckelformat überhaupt nichts. Ich registrierte zahlreiche Schnurschwimmer, doch die Karpfen schienen sich nicht für meine Köder zu interessieren. Naja, wenigstens konnte ich unter dem Sternenhimmel gut schlafen.

Der Morgen war wieder einer von der extrem freundlichen Sorte, da macht das Zusammenpacken des Tackles gleich nochmal so viel Spaß. Doch das letzte Wort ist noch nicht gesprochen, denn ich komme wieder! Und zwar bald! Sehr bald!





