Gestern abend wollte ich wieder einmal hinunter in die Lobau. Die Auswahl der fangfreien Fische im Mai ist bei uns ja nicht groß, da die meisten Fischarten geschont sind, also wollte ich es in einer kleinen idyllischen Bucht auf Schleien versuchen und - eher nicht ernstgemeint -noch ein schweres Wallerzeug auslegen.
Zu diesem Behufe hatte ich mir am verregneten letzten Wochenende einen großen Tauwurmvorrat mit der Taschenlampe gesucht und....... (Forum! Danke für die Tipps) in zerschnittenen aufgeweichten Eierkartongs gelagert.
Mit fast orientalischer Gelassenheit ließ ich den üblichen Abendverkehrsstau auf der Tangente zwischen Favoriten und Prater über mich ergehen und kam endlich an´s Schillerwasser an.
Die Schleienrute legte ich mit Pose und einem halben Tauwurm in Ufernähe aus, während ich auf den 8/0er Haken der Wallerrute einen wuselnden Klumpen fetter Tauwürmer piekste und das ganze an einer schweren Posenmontage knapp über Grund angeboten weiter hinauskatapultierte.
Am Friedfischzeug tat sich die erste Stunde mal gar nichts, Hunger hatte nur ich auf die mitgebrachten Wurstsemmeln. Immerwieder warf ich einen scheelen Blick auf die "Wallerpose".....ich gehöre nämlich zu den Fischern die zu direkt auf Megafisch ausgerichtete Geräte nur bezüglich der Tragkraft für den nicht eintretenden Ernstfall Vertrauen habe, nicht hingegen in den Ernstfall selber. Immer wieder sah ich daher mit Galgenhumor die riesengroße Rolle an der 400g Wurfgewichtrute an.
Kurz vor 8 Uhr ging die Schleienpose rasch unter. Anhieb....und eine 20cm Güster hatte sich das Maul vollgenommen.
Danach rührte sich nichts mehr, ich montierte an der Schleienrute eine Leuchtpose da es schon dunkel wurde, an der "Wallerrute" ließ ich den roten Hechtproppen, zu sehen gibts eh nichts und legte einen Silberpapierstreifen auf den offenen Rollenbügel.
Kurz vor 21 Uhr ging die Leuchtpose wieder ab, Anschlag und harte Flucht. Ganz klar, Karpfen und kein Zwerg. Ich hatte gehofft, die Karpfen wären nicht so scharf auf meine Würmer, aber nun drillte ich eben einen geschonten Karpfen. Ich konnte im fast Dunklen nur erkennen, dass er ein Schuppenkarpfen war und im Gegensatz zu unseren sonst üblichen Schupplern immens hochrückig. Den Haken löste ich gleich im Wasser und schon schwamm der geschonte Bursche wieder, vielleicht sieht man sich nach dem 1.6. mal wieder....
Nun bliebt nur noch eine Viertelstunde (Fischereiende 1 Stunde nach Sonnenuntergang). Eine Zigarette geht noch, rasch noch ein Tauwurm an die Schleienrute und an dieselbe Stelle. Die Pose kam gar nicht in die Standposition und ging gleich nach dem Einwurf zügig unter. Anschlag und ......eine SCHLEIE, durchzuckte es mich freudig, denn der Fisch machte die üblichen schnellen Drehbewegungen und ganz kurze Zickzackfluchten. Oh wie schön, das musste aber eine kapitale Schleie sein, der Fisch kämpfte viel mehr als meine letzte immerhin doch dreipfündige Schleie, war aber dann doch schnell am Ufer und.......große Überaschung! Es war ein etwas über 60cm langes WALLERBABY! So hatte ich also einen Urenkel des Wallers gefangen, von dem ich eh nicht in Ernst gedacht hätte, ich würde mal einen erwischen. Er war übrigens auffallend dick, wodurch der Schwanz viel kürzer wirkte als bei den meisten Wallern die man auf Bildern sieht.Der Haken saß recht tief, liess sich aber doch gut lösen und gleich huschte der nächtliche Bursche wieder zurück in sein Element.
Ob es mir doch mal gelingen wird, einen maßigen über 85cm zu fangen? Vielleicht ist das Megawallerzeug doch für meine Vorhaben,bloß mal einen handlichen Küchenwaller zu fangen zu viel? Vielleicht sollte ich das Mittelding wählen zwischen Schleientauwurm und Riesenbündel, etwa mit bloß 3,4 Würmern an einem 2/0 oder 3/0 Haken. Das beschäftigt mich jetzt nach meinem kleinen Erlebnis mit dem nächtlichen Gesellen.










